Irgendwann in irgendeinem Garten kam irgendwer zusammen und wollte irgendwas erreichen… Zu unkonkret? Na gut – werde ich halt ein bisschen genauer: zu fünft saßen wir letztes Jahr bei Mary auf der Terrasse und haben überlegt, was man an netten, interessanten, humorvollen, aufrüttelnden, revolutionären Aktionen starten könnte, um die UN-Behindertenrechtskonvention ein ganz kleines bisschen mehr in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu bewegen. Wir hatten alle ein bisschen zu wenig Blut im Alkohol und daher gab es sehr skurrile Ideen, die alle nicht umgesetzt wurden: bis auf eine einzige: dieser Blog. Dann entwickelte sich wie von selbst das Projekt „Roll-Mob“… Na ja – das Resultat ist offensichtlich – von der fünften Person wurde ohnehin nie etwas bekannt und der Rest hat oftmals mit den restlichen Nebensächlichkeiten des Lebens genügend zu tun… Und so vereinsamte, verödete und schließlich verstarb dieser Blog. Und daher nun die versprochene Trauerrede:
Verehrte Trauergemeinde, liebe Angehörige, werte Zaungäste von der Presse,
wir stehen hier voller Himbeergeist vor dem Sarg des Poppen-is-nich-Blogs, der am vergangenen Sonntag einem freundlichen Feuer zum Opfer fiel.
Gerade erst, vor 3 Stunden, haben wir von Tausenden anderen vernachlässigten Blogs erschüttert Abschied genommen; nun müssen wir es schon wieder – so lästig das für mich als Funktionsträger mit vollgestopftem Terminkalender auch ist.
Und doch darf unser Gedenken niemals, auch beim 20sten Male nicht, zur makabren Betroffenheitsshow werden. Denn der Tod ist für jene, die er ereilt, stets eine einmalige Erfahrung – und für die Hinterbliebenen eine dauerhafte Quelle seltsamer Erinnerungen.
So fragen Sie, liebe Zaungäste, sich vielleicht: Hatte das Sterben dieses Blogs irgendeinen strategischen Sinn? Hätten wir die Betreiber lieber etwas Ordentliches lernen lassen sollen? Wir sollten uns die Antwort auf diese Fragen besser verkneifen.
Denn es ist Ihnen womöglich kein Trost, wenn ich sage: Ein organisiertes Blog-Massaker, oder was Sie umgangssprachlich gerade dafür halten, ist kein Kindergeburtstag, sondern eine verteufelt gefährliche Sache. Trösten mag Sie hier und heute jedoch folgendes: Sie sind mit Ihrer Trauer nicht allein – weitere werden folgen.
Dabei spielt seit jeher auch das Schicksal eine große Rolle. Manchmal entscheiden neun Millimeter über Leben und Tod, manchmal fehlt einfach ein Quäntchen Glück, und manchmal kommt auch noch Pech hinzu.
Aber ich kann Ihnen allen, auch im Namen unserer Partner in der Internetindustrie, versichern: Ohne den heldenhaften Einsatz unserer weltweiten Bloggergemeinde wäre das Web 2.0 völlig leer stehend.
Als Mit-Betreiber trage ich für diese ganzen verzwickten Dinge selbstverständlich irgendeine Verantwortung, weshalb ich Sie herzlichst um zwei zugedrückte Augen bitten möchte. Und glauben Sie mir eines: Als Mensch mit einem frischen Fleck im Lebenslauf geht mir das ebenfalls alles am Arsch vorbei.
Daher nun noch etwas extrem peinlich Persönliches: Meine wöchentliche Skatrunde fragte mich angesichts meiner Niedergeschlagenheit gestern, ob unser erfolgloser Blog-Einsatz nicht letztlich haarsträubender Unfug sei. Ich habe die Frage nicht politisch, sondern einfach mit „Ach!“ beantwortet.
Ruhe also in Frieden, Poppen-is-nich, und sei in Gottes Segen. Wir werden Dich in spätestens drei Tagen vergessen haben.




Aber ich könnte natürlich auch noch mal Herrn Zappa fotografisch zitieren…
):
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